Von: Hans-Jürgen Thiers
TLZ.de - Dienstag 16.03.2010
Hier sah George Alexander Albrecht den Ansatzpunkt für seine Interpretation im 7. Sinfoniekonzert der Staatskapelle . Zügig voranschreitend von Klanggipfel zu Klanggipfel, ... führte er den großen Aufführungsapparat, bestehend aus der verstärkten, zur Hochform auflaufenden Staatskapelle, dem von Steffen Schubert zu subtiler Klanggeschlossenheit und warmer Klangfülle erzogenen Ernst-Senff-Chor ...
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Zweifel beherrschten Gustav Mahler seit Beginn der Arbeit an der 2. Sinfonie. Der strahlende Held der 1. Sinfonie sollte zu Grabe getragen werden - als Gescheiterter? Verhinderter? Lediglich Resignierender? Ein Chor sollte das Werk krönen - würde man ihm Anleihe bei Beethoven vorwerfen? Etwas planlos komponierte er den Orchestersatz «Totenfeier», der später in die Sinfonie einfloss. Erst der Tod Hans von Bülows, der nunmehr schmerzlich vermissten Leitfigur, der er sich früher einmal vergeblich als Adlatus anzudienen versucht hatte, schuf Klarheit: Tod und Grab sind Durchgangsstationen hin zur Auferstehung.
Aus dem Gottsucher Mahler war ein Gottfinder geworden, der den jetzt in Klopstocks Ode «Auferstehn» gefundenen Text durch eigene Worte anreicherte - der erweiterte Text hätte ins Programmheft gehört. Zunächst kam es unter Mitwirkung von Richard Strauss in Berlin zu einer Probeaufführung, und erst als diese zuletzt auch nach Strauss' Urteil zur Zufriedenheit geriet, konnte die Uraufführung stattfinden. Ein Werk war geboren, das sich in seinen gigantischen Ausmaßen anderen künstlerischen, architektonischen und auch philosophischen Schöpfungen der Ära Wilhelm Zwo würdig zur Seite stellte.
Hier sah George Alexander Albrecht den Ansatzpunkt für seine Interpretation im 7. Sinfoniekonzert der Staatskapelle Weimar>. Zügig voranschreitend von Klanggipfel zu Klanggipfel, sorgsam Strukturen wie thematische Vielfalt gewichtend und absolute stringente Konzentration wahrend, führte er den großen Aufführungsapparat, bestehend aus der verstärkten, zur Hochform auflaufenden Staatskapelle, dem von Steffen Schubert zu subtiler Klanggeschlossenheit und warmer Klangfülle erzogenen Ernst-Senff-Chor Berlin und den durch stimmlichen Schmelz bekannten Solisten Marietta Zumbült (Sopran) und Nadine Weissmann (Alt), zu einer überwältigenden Schlussapotheose.
Der Brüchigkeit jedes Satzes spürte er emphatisch nach, auch wenn darüber die vorgeschriebene «ruhig fließende Bewegung» des 3. Satzes umschlug in nervöse Unruhe und die Sucht, piano und pianissimo als einen Ausdruckswert an sich zu etablieren, selbst die Altistin im «Urlicht» aus ihrer gewohnt sicheren Fassung zu reißen drohte. In diesen Passagen sah sich Albrecht weniger als aktiven Gestalter denn als restriktiven Bewahrer der Partiturangaben. So ging ein Riss durch diese monumentale Aufführung, der allein der äußeren Wirkung keinen Abbruch tat, dieser vielleicht sogar noch Vorschub leistete.
Demnächst
Do 6. September 2012 20:00 Uhr
Charles E. Ives - Holydays Symphony
Sa 8. September 2012 20:00 Uhr
Charles E. Ives - Symphony No. 4
So 9. September 2012 20:00 Uhr
Charles E. Ives - Symphony No. 4